Tagung „Das verdatete Tier“ in Bochum

„Das verdatete Tier. Zum Animal Turn in der Kultur- und Medienwissenschaft“ 26.-28. April 2018 Blue Square | Tagungsebene 5 Kortumstraße 90 | 44787 Bochum
Anmeldung per Email an ina.bolinski@rub.de <mailto:ina.bolinski@rub.de> bis zum 15. April 2018.
Informationen unter: ifmlog.blogs.ruhr-uni-bochum.de/forschung/forschungsprojekte/das-verdatete-tier/
Mit der Formel von den verdateten Tieren werden zwei Topoi aufgerufen, die unsere Kultur nachhaltig sortiert haben: Instinkt, Animalität, Intuition einerseits und Kalkül, Bewusstheit, Rationalität andererseits. Das Tier, das als Verkörperung natürlicher Intuition und vom Instinkt geleitet gilt, gerät im Modus des Berechnens an Konzepte von Rationalität und an die Möglichkeit der Verkörperung in und durch technische Prozesse. Zu fragen ist daher, wie die Tiere im Zuge der Verdatung einen veränderten Status erlangen, indem die Auflösung der vormals scharfen Grenzen in Bezug auf Natur und Kultur neue Strukturen des Miteinanders und des Wissens, also von Sozialität und Epistemologie hervorbringt. Betroffen sind aber auch Formen von Affektbezug und Emotionalität, die gerade durch die Vermittlung mittels Social Media und in der Möglichkeit der permanenten Partizipation durch das Internet der Tiere bestehen. Als Folge der Verdatung von Tieren und zugleich auch ihrer Medialisierung zeichnen sich neue Formen des Miteinander ab: Tiere, Technik und Menschen bilden einen Kollaborationsverbund. Auffallend sind jedoch nicht nur die enormen Datenmassen, die das Tier in den Zustand einer medial vermittelten Transparenznatur versetzen. Auffallend ist auch eine Modifikation der Frage, wer denn überhaupt über Handlungsmacht und über Medienkompetenz verfügt. Dieser neue Akteurstatus verändert die Vorstellungen von Kommunikation und erschließt mit dem Interspecies Internet andere Dimensionen. Ziel dessen ist nämlich nichts Geringeres, als Kommunikationsstrukturen zwischen Menschen, Tieren und weiteren Intelligenzen zu schaffen. Eine vom Personenstatus unabhängige Kommunikation, die somit zugleich an einer Grundfeste der anthropologischen Differenz rüttelt, scheint zurzeit lediglich Utopie. Was sich jedoch im Umfeld der aktuellen Animal-Computer Interaction (ACI) abzeichnet, sind multispecies communities. Diese werden zu Heimstatt neuer Akteure, neuer Kollaborationen, neuer Verantwortlichkeiten und neuer Sozialformen: zwischen Menschen und Tieren, Pflanzen und Algorithmen, Artefakten und Biofakten, Maschinen und Medien, Belebtem und Unbelebtem, Realem und Virtuellem, Simuliertem und Modelliertem. Ziel dieser Veranstaltung ist es diese neuen Kollaborationen und Sozialitäten interdisziplinär in den Blick zu nehmen und auf ihre technischen und epistemologischen Wirkweisen hin zu befragen.
Programm
DONNERSTAG, 26. April 2018 Moderation | Matthias Preuss (Bochum) 14:00-14:15 | Begrüßung und Einführung PANEL: Beobachtung|dokumentieren 14:15-15:15 | Jan-Erik Steinkrüger (Bonn) Mapping animals. Wie wir Tiere in der Welt verorten Kaffeepause 15:45-16:45 | Mareike Vennen (Berlin) Wissen unter Wasser. Registrieren und Regulieren in der Aquarienpraxis im 19. Jahrhundert 16:45-17:45 | Markus Kurth (Dresden) Verdatung als Instrument zur Befreiung? Die Ko-Konstruktion der Kategorie Lebenshoftier durch Social Media Moderation | Julika Griem (Essen) PANEL: Zahl|messen 10:00-11:00 | Alexander Spröwitz (Stuttgart) Tiere als Modelle für laufende Roboter, und Roboter als Modelle für Tiere Kaffeepause 11:30-12:30 | Ina Bolinski (Bochum) Living memory. Bakterien als Datenspeicher 12:30-13:30 | Verena Meis (Düsseldorf) Robojellies. Zur Vermessung des Ozeans Mittagspause PANEL: Information|vermitteln 14:15-15:15 | Robert Stock (Konstanz) „Monkey think, monkey do“. Animal-Machine-Interfaces als sozio-technische Assemblage 15:15-16:15 | Vinzenz Hediger (Frankfurt a.M.) Anthropomorphisierung ist nicht das Problem: Tiere und Medien jenseits von Natur und Kultur Kaffeepause 16:45-17:45 | Jan Müggenburg (Lüneburg) Der Fledermaus-Blindenstock. Zur Funktion der Tiere in der Bionik FREITAG, 27. April 2018 SAMSTAG, 28. April 2018 Moderation | Sylvia Kokot (Bochum) PANEL: Schnittstelle|interagieren 10:00-11:00 | Roland Borgards (Frankfurt a.M.) Virtuell, vernetzt, zeitecht, interaktiv. Unterwegs zum zoologischen Datengarten 11:00-12:00 | Jessica Ullrich (Erlangen) Mit anderen Augen. Der Einsatz von Crittercams in der Gegenwartskunst Kaffeepause 12:30-13:30 | Stefan Rieger (Bochum) Von Kindern und Kätzchen. Technische Schnittstellen und ihre Agenten 13:30-14:00 | Abschluss

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